Die Förder und Wohnstätte und NaturFreunde Kettig laden ein zum Adventsnachmittag.

Licht – Lecker & Musik

Am Sonntag 15. Dezember 2019 (3.Advent) veranstalten zum 17 mal
die Förder- und Wohnstätte zusammen mit den Naturfreunden Kettig einen
Adventsnachmittag der besonderen Art.

Von 16 bis 19 Uhr werden neben den Weihnachtlichen Liedern (auch gern zum Mitsingen) vom Thilmann Hilger Chor in der festlich dekorierten Cafeteria der FWS Kettig, auch draußen bei weihnachtlichen Lichterglanz Glühwein, Punsch und Bratäpfel mit Vanillesauce angeboten. Die Bühne verwandelt sich in ein „Kaminzimmer“ und fernab von der Hektik auf einem Weihnachtsmarkt können sie die gemütliche Seite der Weihnachtszeit genießen. Der Werkstattladen ist geöffnet und hält last Minute Geschenke für kurzentschlossene bereit.

Auch an allen anderen Adventssonntagen werden im Weihnachtlichen Lichterglanz der FWS für Sie Gebäck, Glühwein und Punsch angeboten, sowie der Werkstattladen geöffnet.

Der Eintritt ist frei wir freuen uns auf Ihren Besuch in der FWS Kettig.

Ihre
NaturFreunde & FWS

Führung in der Gedenkstätte Osthofen (KZ)

Gemeinsam mit den Südpfälzer NaturFreunden aus Hochstadt besichtigten die
NaturFreunde Kettig das ehemalige KZ Osthofen in der Nähe von Worms.

Die Besuchergruppe wurde von der Studentin Christine Fischer herzlich empfangen und zuerst in einen Raum geführt wo die 25 jährige einiges zur Vorgeschichte des KZ Osthofen und der Nazidiktatur sagte, was sie an anschaulichen Bild material gut den sehr Interessierten Zuhören nahe bringen konnte.

Die stillgelegte Papierfabrik wurde Anfang März 1933 zum Konzentrationslager ausgebaut und inhaftierte dort insgesamt knapp 3000 Häftlinge. Diese waren meist Politische Gegner aber auch Juden oder Sinti & Roma.

Frau Fischer konnte anhand von Berichten von Überlebenden ergreifende Geschichten erzählen die sich in dem Lager zugetragen haben.
Die Haftdauer pro Häftling lag zwischen 4 bis 6 Wochen auf dem recht kleinen Gelände mit einer großen Fabrik Halle wo ungefähr zw. 250 bei 300 Menschen auf dünn bedeckten Strohboden und zugigen Fenstern schlafen und essen mussten.
Die Häftlinge mussten sich selber verpflegen , was bei dünner Suppe und etwas Brot sehr schwierig war. Alle Menschen dort litten unter teils schweren Misshandlungen, Demütigungen, Krankheiten, harter Arbeit und schlechten Hygienischen Verhältnissen.

Trotzdem gab es keine Todesfälle, wenn diese abzusehen waren, wurde die Person vorher entlassen um den „guten Ruf“ des Lagers aus der Sicht der Nazis nicht zu gefährden. Auch einige wenige Fluchten gab es wie die junge Frau Fischer berichtete. Die Häftlinge mussten viel unnütze und demütigende Arbeiten verrichten zum Beispiel mit den Händen oder dem Essgeschirr die Grube die als
Toilette diente sauber zumachen.

Im Juli 1934 wurde das KZ Osthofen aufgelöst und die restlichen Insassen nach in andere KZ verteilt. Später siedelte sich eine Möbelfabrik dort an bis nach der Pleite in den 90iger Jahren das Land Rheinland Pfalz das Anwesen kaufte.

Am Schluss der Führung gab es noch die Möglichkeit die anschauliche Dauerausstellung anzusehen was die Naturfreunde gerne nutzen.

Der Vorsitzende der Kettiger Naturfreunde Oliver Hartmann bedankte sich bei Frau Fischer für die äußerst interessante Führung als auch bei den Hochstädter Naturfreunden für ihre Teilnahme, und verwies darauf wie es grade heute wieder wichtig es sei immer wieder daran zu erinnern, was die Nazis angerichtet und verbrochen haben, und es als Mahnung verstanden werden muss das so was nie wieder passieren darf.

Klimapolitische Apartheid wird nur zu mehr Tragödien im Mittelmeer führen

Von Carola Rackete – eine deutsche Seekapitänin, die ehrenamtlich für die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch tätig ist.

Was ich von meinem Schiff im Mittelmeer aus gesehen habe, ist nur ein flüchtiger Eindruck von dem, was die Zukunft für Millionen bereithält, wenn wir jetzt nicht handeln. Verhaftet zu werden im Hafen der italienischen Insel Lampedusa zog große mediale Aufmerksamkeit auf mich persönlich: Ich bin eine junge Frau und Kapitänin eines Schiffs, der Sea Watch 3, das gerade 40 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet und in Sicherheit gebracht hatte. Meine Verhaftung geschah nach vierzehn Tagen auf See und dem Versuch, eine politische Lösung herbeizuführen, um diese Flüchtlinge aus dem Bürgerkrieg in Libyen legal an Land zu bringen. Mein Schiff fuhr in italienische Gewässer, obwohl dem ein ausdrückliches Verbot von Matteo Salvini entgegenstand, dem weit rechts stehenden (italienischen) Innenminister: Und so wurde ich in den bzw. für die Medien zu der Frau, die sich den Rechten in Italien und Europa wiedersetzte.

Die italienischen Behörden ermitteln noch immer gegen mich (auch wenn ein Richter den Haftbefehl aufgehoben hat, weil ich versucht habe, Leben zu retten) – aber: Bin ich besorgt? Ehrlich gesagt, nein, weil mein Vorgehen legitim war. Wovor ich wirklich Angst habe, ist der Schaden, den wir unserem Planeten zufügen und die Feinseligkeit, die möglicherweise denen entgegenschlägt, die vor Dürre, Hunger, Feuer und Stürmen fliehen. Für mich sind die Gefahren des Klimawandels und die Notwendigkeit, denen zu helfen, die das Mittelmeer zu überwinden versuchen, direkt miteinander verbunden.

Viele Menschen machen sich verständlicherweise Gedanken darüber, die Zusammenhänge zwischen Migration und Klimakrise zu diskutieren, weil sie befürchten, dass dies zu mehr Fremdenfeindlichkeit und noch strengeren Maßnahmen an den Grenzen führen wird. Der Punkt ist allerdings, dass diese Fremdenfeindlichkeit und diese Grenzmaßnahmen längst da sind. Ich habe sie mit meinen eigenen Augen gesehen, in den Menschen, die ich aus dem Meer gezogen habe – und in denen, wo ich zu spät kam, um sie zu retten.

Der dramatische Klimawandel verschärft nur noch die Ursachen, die die Menschen ohnehin schon zur Migration treibt, nämlich verzweifelte sozioökonomische Verhältnisse oder politische Unterdrückung. In einer Lebensumgebung, in der Menschen ohnehin schon ums Überleben kämpfen, erhöht der Zusammenbruch des Klimas den Druck. Sei es durch steigende Meeresspiegel, Wasserknappheit, Unwetterschäden oder Ernteausfälle. Die Menschen, die in den am meisten benachteiligten Regionen der Erde leben – und die am wenigsten zu der Klimakrise beigetragen haben – sind auch die ersten, die mit den Auswirkungen konfrontiert sind. Die verheerenden Unwetter in Mosambik, die Dürre in Somaliland, an deren Folgen der Großteil des Viehs dort verendet ist, und die Hitzewellen in Indien sind allenfalls ein Vorgeschmack darauf, was geschehen wird, wenn wir weiterhin Treibhausgase in die Atmosphäre pumpen. Mehr und mehr Menschen werden sich auf den Weg machen müssen, nur um zu überleben.

In den nächsten paar Jahrzehnten werden Millionen gezwungen werden, auf die Flucht zu gehen, um ständig sich verändernden und schlimmer werdenden Umwelteinflüssen aus dem Weg zu gehen. Bisher flüchteten die meisten nur innerhalb ihres Landes, von ländlichen in städtische Regionen oder sie zogen um in Nachbarländer. Nur ein Bruchteil nimmt längere Reisen auf sich. Sie stranden dann vor den Mauern der Länder, die oft mitverantwortlich sind für die Umweltbedingungen und politischen Umstände, vor denen diese Menschen fliehen. Der globale Norden hat in der kolonialen Glanzzeit erobert und geplündert und hält noch immer Länder in Geiselhaft für ihre Schulden; gleichzeitig entzieht er diesen Menschen ihre zum Leben notwendigen Güter durch seine eigene Abhängigkeit von Luxusgütern mit hohem CO2-Verbrauch.

Und in dieser Situation sehen wir dann noch ein Anschwellen der Rhetorik von rechts in den reichen Ländern. Das hat verheerende Auswirkungen auf die Betroffenen, seien es Menschen in den einschlägig bekannten Internierungslagern Manus und Nauru in Australien, die sich umbringen; oder Menschen, die in der Obhut der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) sterben; oder solche, die im Mittelmeer ertrinken, aktuell die tödlichste Grenze weltweit. Die Politiker begründen diese entsetzlichen Umstände damit, dass weitere Menschen von der Flucht abgehalten werden sollen. Allerdings legt die Zahl der Migranten, die nach wie vor kommen, nahe, dass diese Strategie nicht funktioniert. Unbestritten ist, dass nicht jeder Migrant aus klimatischen Gründen kommt. Andererseits wird der Klima-Notstand

jede „Migrantenkrise“, die wir aktuell haben, wie ein Kaffeekränzchen aussehen lassen.

Ein Bericht des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen über Armut und Menschenrechte warnte kürzlich vor einer drohenden „Klima Apartheid“, in der der arme Teil der Menschheit unter den schwersten Auswirkungen des Klima- Zusammenbruchs leiden wird, während sich die Reichen ihren Weg in relative Sicherheit kaufen können. „Die Menschenrechte werden den sich abzeichnenden Umsturz möglicherweise nicht überleben“. So die düstere Schlussfolgerung des Berichts. Meine größte Angst ist, dass diese dystopische Vision für unsere Zukunft wahr werden könnte. Dass die Erosion der Menschenrechte schon in vollem Gange war, konnte ich in Italien sehr klar erkennen.

Was die Crew der Sea Watch und ich getan haben, war eine ziemlich kleine Sache. Ein Augenblick der Solidarität mit denen, deren Leben akut bedroht war. Im Nachhinein würde ich zustimmen, dass daran auch etwas Symbolisches war: Es zeigt die Scheinheiligkeit der Haltung der EU zum Thema ‚Migration‘, bringt aber auch deutlich zum Ausdruck, welche Zukunft wir uns wünschen: Eine Zukunft globaler Gleichheit, Solidarität und Gerechtigkeit.

Ich habe auf Polarforschungsschiffen gearbeitet und dabei die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Natur aus erster Hand erlebt. Bei meinem ehrenamtlichen Einsatz auf der Sea Watch habe ich eine Ahnung davon bekommen, wie die Zukunft für Millionen von Menschen, sogar für Milliarden, aussehen könnte. Es gibt immer diejenigen, die Katastrophen künstlich herbeiführen oder daraus ihre Vorteile ziehen, um mehr Vermögen und Macht zu gewinnen. Die Klimakrise wird Katastrophen verursachen, die Tyrannen und Faschisten helfen, die Zügel in die Hand zu bekommen. Wir müssen tun, was wir können, um sie dabei aufzuhalten, in Europa Fuß zu fassen.

Es reicht nicht für Europäer, wenn sie denjenigen Beifall spenden, die das Konzept der ‚Festung Europa‘ in Frage stellen. Wir werden durch passive Unterstützung nichts ändern. Wir alle müssen aktiv sein im Fordern und im Gestalten der Zukunft, die wir wollen. Schließen Sie sich Bewegungen an gegen den dramatischen Klimawandel. Verringern Sie Ihren persönlichen CO2-Fußabdruck – und zwar entscheidend. Helfen Sie Migranten und Flüchtlingen, die schon in Ihrem Land angekommen sind, sich in Ihre Gesellschaft zu integrieren. Unterstützen Sie Organisationen wie Sea Watch, wie auch immer Sie können. Und setzen Sie sich ein und stimmen Sie – gegen die Politik von Hass und Spaltung.

Als deutsche Staatsbürgerin habe ich das Privileg, eine Verhaftung zu riskieren ohne befürchten zu müssen, dass ich an einen gefährlichen Ort deportiert werde oder im Meer ertrinken muss. Allerdings habe ich als Deutsche auch einen anderen Gedanken: Die meisten von uns fragen sich, was wir getan hätten in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, als rassistische Theorien zu rassistischer Politik wurden und schließlich zum Völkermord führten. Mein Handeln mit der Sea- Watch, so hoffe ich zumindest, zeigt mir, was ich getan hätte, wenn ich damals gelebt hätte. Die Frage, die ich für Sie habe ist: Was werden Sie nun tun?

Naturfreunde Kräuterwanderung in Kettig durchgeführt

Bei einer weiteren Kräuterwanderung unter der Leitung von Kräuterpädagogin Frau
Katharina Kindgen von der NABU trafen sich im Landschaftsschutzgebiet Kettiger Bachtal viele Interessierte Natur und Kräuterfreunde. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Kettiger Naturfreunde Oliver Hartmann, konnte Frau Kindgen den Teilnehmern nach einer kleinen theoretischen Einleitung eine Vielzahl von Kräutern auf der Kurzen Strecke am Ortsrand von Kettig zeigen. Vorbei an der Streuobstwiese am Keudelsweg mit vielen Gänseblümchen welche zu den Korbblütengewächs gehören und essbar sind. Auch die Vogelmiere gibt es das ganze Jahr und ist sehr gesund. Sie hilft bei Hautentzündungen und beruhigt die Haut. Doch Vorsicht ist geboten so Frau Kindgen, nur wenn sie Weiß blühen, sind es die richtigen. Wenn sie nicht blühen oder gar in Rot sind es Finger-Weg Pflanzen und können durchaus giftig sein. Die Kräuterexpertin aus dem Westerwald verwies darauf das viele Kräuter und Pflanzenarten essbar sind und grade in früheren Zeiten oft gegessen wurden, so auch die Vogelmiere. Das Kletterlabkraut das an der Haut und Kleidung kleben bleibt, bildet nur bis zur Sommersonnwende Samen und ist auch essbar. Das verwandte Duftlabkraut hingegen ist wegen der intensiven Landwirtschaft und den Pestiziden fast ausgerottet. Der Lerchensporn hingegen ist giftig und gehört zu den Waldpflanzen. Er blüht weiß oder lila. , auch die Zaumrübe ist hoch giftig mit ihren Roten oder schwarzen Blüten kann schon eine geringe Menge für den Menschen tödlich sein, erklärt die Kräuterexpertin aus dem Westerwald. Essbar sind auch der Weiß und Schwarzdorn. Jede Wildpflanze braucht ca 13 verschiedene Insektenarten um bestäubt zu werden. Das berühmte Jakobskreuzkraut hingegen ist vor allem für Tiere giftig. Beim Menschen kann es zu Leberzirrhose führen. Bei einer der Holunderplantagen die es in Kettig häufig gibt verwies Herr Hartmann auf die inzwischen große Bedeutung des Holunders für Kettig das das größte zusammenhängende Anbaugebiet in Deutschland sei. Frau Kindgen gab Tipps was man mit Holunder alles machen bzw herstellen kann, von Likör bis Marmelade, auch eine Heilende Wirkung wird dem Holunder nachgesagt.
Weiter über die Elmar-Hillesheim Wiese trug Frau Kindgen bei den Kräuterfreunden zwischendurch Gedichte vor, was zur allgemeinen Aufheiterung beitrug. Der Vorsitzende Oliver Hartmann erklärte den Teilnehmern die „Elmar Hildesheim“ Wiese, deren Weidenanbau und und die Verbundenheit zur Förder und Wohnstätte. Dabei nahm sie auch die aufgestellten Insektenhotels der FWS unter die Lupe. Die Biene sei das wichtigste Insekt/ Tier der Erde, wenn sie ausstirbt – stirbt etwas später auch der Mensch, so die Kräuterbiologin. Frau Kindgen hätte noch viele weitere Kräuter auf dem recht kurzen Stück zw. Anne Frank Schule und Elmar Hillesheim Wiese zeigen und erklären können, doch aus zeitlichen Gründen musste man zum Abschluss kommen. Herr Hartmann bedankte sich bei der NABU Expertin Frau Kindgen und bei allen Teilnehmern.

Tausend demonstrieren für Klima, Gerechtigkeit und Demokratie

Breites ökosoziales Bündnis setzt in Koblenz ein starkes Zeichen vor der Wahl
„Geht am 26. Mai zur Wahl, wählt Klimaschutz, wählt soziale und globale Gerechtigkeit, wählt Demokratie! Rassisten und Nationalisten sind eine Bedrohung für eine enkeltaugliche Zukunft und den Frieden in Europa!“ Mit diesem Appell eröffnete BUND-Landesvorstandsmitglied Egbert Bialk eine bemerkenswerte Demonstration in Koblenz. 27 Verbände und Gruppierungen, darunter BUND, NaturFreunde, Nabu, Greenpeace, Germanwatch, Gewerkschaftsbund, Kirchengruppen und das Schülernetzwerk Fridays for Future, hatten aufgerufen. Rund 1000 Menschen kamen, Jung und Alt aus der ganzen Region, teils auch aus Mainz, Bonn oder Landau, und feierten eine Woche vor den Wahlen ein bun(d)tes Fest der Demokratie. Ihre Sorge: Weiteres zögerliches Nichtstun der Politik und Wirtschaftslenker verbaut unser aller Zukunft. „Die Demo war ein starkes Signal, das die Politik ernstnehmen muss, denn unser ökosoziales Bündnis wird auch nach der Wahl nicht lockerlassen“, so das Fazit der Veranstalter.
Sambatrommeln von Piri Piri und Parolen wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ hallten am Samstag durch die Koblenzer Innenstadt. Ein unübersehbarer Menschenstrom schob sich vom Bahnhof zum Zentralplatz und dann am Theater vorbei zum Reichensperger Platz. Sehr unterschiedliche Banner von „Klimaschutz statt Kohleschmutz“ bis „Koblenz bleibt BUNT“ oder kreative, handgemachte Plakate wie „Saubere Luft in Koblenz“, „1. Wahl: Klima und sozial“ oder „Plastikfrei! Wir sind dabei“ bildeten ein farbenfrohes Panorama. Breiter konnte der Protest der Zivilgesellschaft gegen den Reformstau der Politik kaum sein. Moderiert wurden die drei Kundgebungen von Julika Sandrieser, einer engagierten Schülerin, die auch bei Greenpeace mitarbeitet, und Sebastian Hebeisen vom DGB Region Koblenz. Nach der Begrüßung von Versammlungsleiter Egbert Bialk und der Kulturdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz beleuchtete der Arzt und BUND-Vizevorsitzende Dr. Thomas Bernhard die Problemfelder. Der Kohleausstieg müsse sofort beginnen und von einer wirksamen, sozial gerechten CO2-Abgabe unterstützt werden, andernfalls sei das überlebensnotwendige 1,5-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen. Auch das weltweite Artensterben mache ein sofortiges Umlenken notwendig, auch bei der Koblenzer Klima- und Verkehrspolitik. Christoph Bals, der bundespolitische Geschäftsführer der Eine-Welt-Organisation Germanwatch verwies auf die notwendige Klimagerechtigkeit. Bals hatte alle UN-Klimakonferenzen mitbegleitet und betonte die völkerrechtliche Bindung des Paris-Abkommens und die Solidarität mit den Ländern des Südens, die unter unserem Lebensstil litten. Den Zusammenschluss der Umweltverbände mit Gewerkschaften und Kirchen begrüßte er sehr, denn: „Bei dem erforderlichen Strukturwandel müssen die Menschen mitgenommen werden.“ Stefanie Maier von der IG-Metall engagiert sich für Arbeitnehmer*innen-Rechte. Ein gutes Leben für alle erfordere neben der Sicherung der Lebensgrundlagen Solidarität, Gemeinwohlverpflichtung und gute, d.h. sichere Arbeitsplätze. Sprecher*innen von Greenpeace und Fridays for Future spannten einen weiten Bogen von der Klimaerhitzung bis zum eigenen oft umweltbelastenden Verhalten. Jede*r Einzelne trage Verantwortung. Aufrufe zu Frieden und Zusammenhalt in Europa schlossen die Liste der Reden ab. Nach Appellen durch Pulse of Europe forderte Helmut Gelhardt von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung eine Abkehr von Freihandelsabkommen wie TTIP oder Ceta, die vor allem den Interessen der Finanzkonzerne dienten. Am Zentralplatz und am Reichensperger Platz war auch der Kampf gegen rassistische Gewalt Thema. Sebastian Hebeisen vom DGB erinnerte an den tödlichen Anschlag eines Nazis auf dem Zentralplatz vor 27 Jahren und die Verfolgung von Andersdenkenden und Minderheiten durch die Nazis unter Hitler. Hiervon waren auch Sinti und Roma betroffen. Den Veranstaltern war es darum eine besondere Freude, mit Mike Reinhardt eine bekannte Sinti-Swing-Band als virtuosen kulturellen Abschluss gewinnen zu können. Rundum ein bewegendes friedliches Fest unserer demokratischen Zivilgesellschaft.