Gegen AfD Veranstaltungen in Koblenz am 11. August 2017

Keine weitere Vermietung der Rhein-Mosel-Halle an rechtspopulistische und radikale Gruppierungen

offener Brief an den OB Hofmann-Göttig vom BUND Koblenz

Sehr geehrter Oberbürgermeister,

Zunächst bedanken wir uns für Ihre Unterstützung in unserer gemeinsamen Bewegung für ein demokratisches und humanes Koblenz, so z.B. bei der gemeinsanen Großdemo gegen das internat. Rechtspopulistentreffen am 21.1.2017 und bei der 1.Mai-Kundgebung auf dem Münzplatz. Leider hatten Sie vergessen auch den BUND zu erwähnen, der ja doch durch Mobilisation, Schilder und Musik erheblich zur Gesamtstimmung beigetragen hatte. Wir erwähnen das, weil die Umweltverbände sich seit Jahrzehnten für die Gesellschaft und Demokratie einsetzen und seit dieser Zeit gern von den etablierten Politikern ignoriert werden.

Wie Ihnen bekannt sein dürfte, will die AFD am Freitag, 11. August 2017, also am Vorabend von „Rhein in Flammen“, die Rhein-Mosel-Halle für eine weitere Großveranstaltung anmieten. Es gab offensichtlich bereits eine Mietanfrage und eine Begehung mit der Stadt und Polizei. Wir müssen leider den Eindruck haben, dass Sie diese Veranstaltung entgegen Ihren öffentlichen Bekundungen billigen und genehmigen wollen.

Die Erfahrungen mit dem Rechtspopulistentreffen am 21.1.17 mit dem Polizei-Großeinsatz haben unseres Erachtens gezeigt, dass man nur bei entschiedener Haltung – auch der Stadt Koblenz durch Nicht-Vermietung, vgl. manch andere Städte! – verhindern kann, dass die Stadt ein beliebter Versammlungsort für Rechte wird und das demokratische Zusammenleben immer weiter Schaden nehmen wird.

Diese für den 11.8. geplante Veranstaltung droht neuen Unfrieden in unsere Stadt zu tragen, zumal auch besonders radikale Mitglieder der AFD dabei sein sollen.Eine von ihnen setzt sich sogar für einen Schießbefehl gegen Flüchtlinge ein.

Sie können davon ausgehen, dass es erhebliche öffentliche Proteste in der Nähe der Halle geben wird. Auch die Vorbereitungen des Koblenzer Sommerfestes könnten belastet werden, wo ohnehin viele Ordnungskräfte gebunden sind. Es ist die Frage zu stellen, ob die öffentliche Ordnung und Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger sowie der Bediensteten so noch gewährleistet sind. Jedenfalls könnte eine solch provokative Veranstaltung mit Konfliktpotential gerade an Rhein in Flammen die Ordnungskräfte überfordern oder zumindest unzumutbar fordern.

Wir appellieren deshalb an Sie, der Vermietung der Rhein-Mosel-Halle an die AFD nicht zuzustimmen und auf die Einkünfte daraus zu verzichten. Wir möchten als Demokraten nicht, dass Rhein in Flammen zur Kulisse für Rechtspopulisten wird und Koblenz zur Rechtspopulisten-Stadt .

Die Stadtfraktionen bitten wir, eilends einen entsprechenden Beschluss des Rates herbeizuführen. Es ist auch zu überlegen, ob die Vermietungsbedingungen der Halle generell nicht auch restriktiver gefasst werden müssen.

An die weiteren angeschriebenen OB-Kandidaten und Personen des öffentlichen Lebens appellieren wir, die Nichtvermietung unserer Bürger*innen-Halle an rechtsradikale und umdemokratische Kräfte zu unterstützen, auch öffentlich. Falls der Einwand kommt, es handele sich bei der AfD um eine zugelassene demokratische Partei, möchten wir mit Papst Franziskus erinnern, dass Hitler und die NSDAP auch gewählt wurden und dann die Demokratie abgeschafft haben. Die AfD ist von Programm und Vorgehen u.E. her zutiefst menschenfeindlich, Fakten verzerrend und undemokratisch. Hier gilt es den Anfängen zu wehren.

Dieser Brief soll veröffentlicht werden und kann dann von weiteren Organisationen und Privatpersonen mitunterzeichnet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Egbert Bialk und Dr. Thomas Bernhard, BUND Koblenz/RLP
NaturFreunde Kettig

Massenvertreibungen – Die Flüchtlingskrise als Mehrfachkrise

Das Uno-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) fasst die gegenwärtige Situation in einem Bild zusammen: Von 122 Menschen ist heute e i n e r entweder ein Flüchtling, ein Binnenvertriebener oder ein Asylsuchender. Wären alle Flüchtlinge Staatsbürgerinnen und Staatsbürger eines einzigen Landes, so wäre dieses Land das 24-größte der Welt.
Die Weltflüchtlingsorganisation spricht von einem „Zeitalter beispielloser Massenvertreibungen“ und ruft auf zu „beispielloser humanitärer Hilfe und globalem Engagement“. „Die Welt steht heute vor der größten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagt EU-Innenkommissar Dimitris Avramopulos. „Wir werden aktuell Zeugen eines Paradigmenwechsels. Wir geraten in eine Epoche, in der das Ausmaß der globalen Flucht und Vertreibung sowie die zu deren Bewältigung notwendigen Reaktionen alles davor Gewesene in den Schatten stellen.“ So die Aussage von UN-Flüchtlingskommissar António Guterres.

Knapp 60 Millionen Menschen waren 2014 weltweit auf der Flucht vor Kriegen, Konflikten und Verfolgung. Dies ist die höchste Zahl, die jemals von UNHCR verzeichnet wurde. Im Jahr 2013 waren es 51,2 Millionen, vor zehn Jahren 37,5 Millionen Menschen. Die Entwicklung ist also rasant. Konkret: Weltweit gab es im letzten Jahr insgesamt 19,5 Millionen Flüchtlinge, 38,2 Millionen Binnenvertriebene und 1 ,8 Millionen Asylsuchende. Besonders alarmierend: Die Hälfte aller Flüchtlinge sind Kinder.

Der Krieg in Syrien hat die meisten Menschen zur Flucht gezwungen. Sowohl innerhalb (7,6 Millionen Binnenvertriebene) als auch außerhalb des eigenen Landes (3,88 Millionen Flüchtlinge – eine andere seriöse Quelle nennt 4,2 Millionen!). Afghanistan (2,59 Millionen Flüchtlinge). Somalia (1,1 Millionen Flüchtlinge. Neben Syrien wurde auch der Irak erneut zum Brennpunkt: 2,6 Millionen Menschen mussten im letzten Jahr aus ihren 2 Heimatorten fliehen. Die politische Instabilität im Irak, Afghanistan, Libyen und Syrien ist in erster Linie auf die Militärinterventionen der USA und ihrer Verbündeten zurückzuführen, die einen Regimewechsel in diesen Ländern herbeiführen wollten. Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz rechnet in seinem Buch „Die wahren Kosten des Krieges“ vor, dass allein die Kosten des Irakkrieges etwa drei Billionen US-Dollar betragen (das sind 3000 Milliarden US-Dollar!) – das Sechzigfache dessen, was die Bush-Regierung dafür ursprünglich im Kongress veranschlagt hatte! Die im Irak angerichteten Schäden sind darin nicht enthalten! Welche Wohltaten hätten allein mit diesem Geld der Menschheit -vor allem in den armen und ärmsten Ländern der Welt- ermöglicht werden können?!
(Die Ärzteorganisation IPPNW wies 2008 darauf hin, dass seit dem Beginn der US-Invasion 2003 im Irak Schätzungen zufolge rund eine Million Menschen durch Kriegseinwirkungen und indirekte Kriegsfolgen umgekommen sind. Dem britischen Forschungsinstitut ORB zufolge wurden bis Herbst 2007 etwa 1,2 Millionen Iraker getötet und 1,1 Millionen verwundet.)

Conrad Schuhler, Vorsitzender des Instituts für sozialökologische Wirtschaftsforschung in München argumentiert, dass hauptsächlich die USA und ihre Verbündeten für die weltweiten Flüchtlingsströme verantwortlich sind.
Conrad Schuhler: Die Flüchtlinge sind auf der Flucht vor Krieg, Vertreibung, politischer Verfolgung, unerträglicher Armut und den verheerenden Folgen des Klimawandels. Bei allen diesen Fluchtursachen spiele die Politik des ‚Westens‘, angeführt von den USA, die herausragend negative Rolle. Die USA und ihre Verbündeten hätten in drei der vier Länder mit dem höchsten ‚Kriegsstatus‘ – in Syrien, Afghanistan und Irak (das vierte ist der Süd-Sudan) – militärisch eingegriffen, um von ihnen abgelehnte politische Regimes zu stürzen und auszutauschen. Der deutsche Politikwissenschaftler Ingar Solty (Rezensionsredakteur der Zeitschrift ‚Das Argument‘ ) vertritt die Auffassung: Dass die Zunahme der weltweiten Flüchtlingszahlen in einem engen Zusammenhang mit den Kriegen und Konflikten im Nahen und Mittleren Osten und Nordafrika steht, liegt auf der Hand. Und man ist auch kein Freund der Regimes von Saddam Hussein, Baschar al-Assad oder Gaddafi, wenn man nüchtern feststellt, dass das Leben der Menschen in diesen Ländern sich durch die westlichen Kriege dramatisch verschlechtert.

Auch Iran und Russland heizen den Krieg in Syrien mit militärischer Unterstützung an. (In Syrien ist inzwischen „die halbe Welt“ an den täglichen Bombenangriffen beteiligt: USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Türkei, Russland, Katar, Saudi-Arabien, Bahrain, Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate!)

Die zahlreichen Konflikte in Afrika – wie z.B. in der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan, in Somalia, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo – werden häufig übersehen. Gleichwohl haben sie insgesamt eine immense Zahl an Fluchtbewegungen ausgelöst, die kaum niedriger ist als im Nahen Osten.

Befund II

Anstrengungen für eine gemeinsame europäische Willkommens- und Integrationspolitik gibt es kaum, stattdessen wurden die Ressourcen in der Vergangenheit vor allem dafür eingesetzt, die Außengrenze abzusichern (Frontex etc.), was offensichtlich nicht gelungen und aus humanitären Gründen grundsätzlich zu hinterfragen ist. Das „Heil“ zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms wird u. a. in der Erweiterung des Kreises der sogenannten „sicheren Herkunftsstaaten“ gesucht. Jedenfalls aus menschenrechtlicher / humanitärer Sicht ist dies nicht überzeugend, da die Basis solcher Erweiterungs-Entscheidungen gesellschaftspolitische Ratlosigkeit, wirtschaftliche Egoismen oder politische Getriebenheit sind. Die (höheren) Ordensoberinnen und Ordensoberer mit Sitz in Bayern haben am 11. November 2015 einen Offenen Brief ‚für ein menschenfreundliches Engagement für Geflüchtete‘ an Ministerpräsident Horst Seehofer geschrieben. Dieses sehr beeindruckende Dokument führt u.a. aus: „Wir appellieren an Sie, sich einzusetzen, dass die Erklärung, die Westbalkanstaaten Bosnien, Serbien, Mazedonien, Albanien, den Kosovo und Montenegro als sog. „sichere Herkunftsstaaten“ zu deklarieren, wieder zurückgenommen wird. Wir plädieren vielmehr dafür, die Korruption und damit Willkürherrschaft sowie die Unterdrückung von Minderheiten ernst zu nehmen, die in diesen Ländern nach wie vor herrschen und Menschen Angst machen und zur Flucht drängen, und den Status als „sicheres Herkunftsland“ solange auszusetzen, bis die demokratischen Kräfte in diesen Ländern sichtbar weiter gekommen sind als dies bislang der Fall ist.“ Das sind absolut richtige – sehr klare vernünftige und barmherzige Worte! Mehr davon !

Fremdenfeindliche Agitation

Den Agitatoren des rechten Lagers gelingt es leider immer mehr die plakativen Negativbotschaften: „Das Boot ist voll“ / „Wir können nicht die ganze Welt bei uns aufnehmen“ / „Es geschieht massenhafte Einwanderung in unsere Sozialsysteme, die uns überfordert“ / „Was wird für die ‚deutschen Armen‘ getan?“ – populistisch und mehr als nur fragmentarisch in die „Mitte der Gesellschaft“ zu transportieren! Diese rechten Agitatoren – als Biedermänner maskierte Brandstifter – geben vor, das Asylrecht ‚an sich‘ bewahren, aber Asylmissbrauch verhindern zu wollen, um Deutschland nicht zu überlasten. „Asylmissbrauch“ ist für diese Populisten selbstverständlich bei sog. „Wirtschaftsflüchtlingen“ gegeben. Dass „Wirtschaftsflüchtlinge“ real Armutsflüchtlinge sind, spielt in der Weltanschauung dieser Agitatoren natürlich keine Rolle. Eine solche Weltanschauung bereitet den Boden dafür, dass Armutsflüchtlinge als potenzielle Asylschmarotzer und Belastung für das deutsche Sozialsystem diffamiert wenden können. Die Anwender ‚brauner‘ Gewalt fühlen sich in ihrer menschenverachtenden Argumentation bestätigt. Eine Anti-Asyl-Hetze, die in brutale und gemeingefährliche rassistische Straftaten mündet, ist in Deutschland real vorhanden. Brandstiftungen in Asylbewerberheimen sind ein Beispiel dafür.

Die realen Fluchtursachen

Jahrhunderte lange koloniale Ausbeutung und Unterdrückung durch die europäischen Großmächte -jedenfalls auf dem gesamten afrikanischen Kontinent- und die anschließende westliche neoliberale/kapitalistische Ausbeutung bis heute, die todsicher in existenzgefährdende, ja existenzvernichtende Armut führt, können so völlig ausgeblendet werden. Deutschland war jedoch immer wesentlicher Teil und Profiteur dieser ungerechten Ausbeutungs- und Unterdrückungsprozesse! Dass deutsche Rüstungsfirmen an Waffenexporten mit genau jenen Waffen Geld verdienen, die in vielen Ländern Bürgerkriege anheizen, welche dann zur Fluchtursache werden – dazu wird geschwiegen – noch nicht einmal verschämt! Vor allem Firmen und Banken aus den reichen Ländern des globalen Nordens beteiligen sich am Landgrabbing (Landraub) in den armen Ländern oder eignen sich faktisch Fischereigründe vor der Haustüre dieser Länder an. Dies ist eine Spielart der kapitalistischen Kapitalakkumulation durch Enteignung. Dadurch werden die dortigen Lebensgrundlagen immer weiter reduziert.

Dazu kommt:
Die EU zerstört mit autoritär durchgesetzten Freihandelsabkommen z.B. in Afrika die lokalen Märkte. Generell lässt der Freihandel Entwicklungsländer verarmen. Juristisch berühren Freihandelsabkommen wie TTIP die Entwicklungsländer nicht direkt, weil sie als Abkommen zwischen westlichen, modernen, hoch- und höchstentwickelten Industrienationen konzipiert sind. Freihandelsabkommen wie TTIP sollen jedoch „weltweite Maßstäbe“ als Denkmal/Monument der neoliberalen Ideologie setzen. Bei dieser Art von Freihandelsabkommen sitzen Entwicklungsländer in der Falle. Sie sind auf den Freihandel angewiesen, um für ihre Produkte einen Markt zu finden, der hinreichend groß ist. Gleichzeitig begünstigt aber genau dieser Freihandel die etablierten Industrieländer, die technologisch überlegen sind. Im Übrigen hat die historische Erfahrung gezeigt, dass bisher die USA ihre Zölle erst dann abgebaut hat, als sie d i e ökonomische Supermacht war. Dieses Muster ist grundlegend: Zölle werden erst abgeschafft, wenn die eigene Industrie zu den Weltmarktführern gehört und die Konkurrenz nicht mehr fürchten muss. Das ist die unausweichliche wesensmäßige Logik des dem kapitalistischen Wirtschaftssystem zwanghaft innewohnenden Wettbewerbsprinzips/Konkurrenzkampfes! In diese Kategorie gehören natürlich auch sogenannte „vorgeordnete“ Fluchtursachen wie die Durchsetzung von WTO-Klauseln zur Gleichbehandlung von inländischem und ausländischem Kapital, die die alten Entwicklungsstrategien des globalen Südens zunichtemachten.

Und – als wäre dies alles noch nicht desolat/elend genug:

Insbesondere die armen Länder des globalen Südens müssen die Folgen des Klimawandels wie Dürre und Überschwemmung ausbaden, obwohl dieser vor allem durch die reichen Industrieländer, wozu natürlich auch Deutschland gehört, verursacht wurde. Die Folgen des Klimawandels/der Erderwärmung werden ein hohes Potenzial künftiger Armutsmigranten in einem bislang ungekannten Ausmaß mobilisieren (ökologische Flüchtlinge) . Auf 400 Millionen weltweit beziffert eine jüngst erschienene Studie belgischer Wissenschaftler die Zahl derer, die schon heute ihre Heimat dauerhaft verlassen wollen. Die allermeisten wollen nach Europa oder in die Vereinigten Staaten. Diese Studie kalkuliert zurückhaltend, frühere Schätzungen kamen auf erheblich höhere Zahlen.
Die Heuchelei der angeblichen Bewahrer des Asylrechts

Die rechten Biedermänner als Brandstifter (die den Mob des „gesunden deutschen Volksempfindens“ aktivieren) bekämpfen keine Fluchtursachen, sondern lieber – weil bequemer und ideologisch befriedigender – Flüchtlinge! Das heuchlerische Gerede von der Bewahrung des Asylrechts für die „echten“ Asylfälle dient zu nichts anderem als der Abschottung Deutschlands vor Flüchtlingen. Dies ist die bewusste und gewollte Leugnung der Verantwortung, die auch Deutschland für diese Flüchtlingskrise trägt!
Was aber ist zu tun?
Deutschland kann selbstverständlich nicht allein das Flüchtlingselend der Welt auflösen. Das kann auch NIEMAND von Deutschland erwarten . Aber Deutschland kann und muss ‚SEINEN ANTEIL‘ zur Auflösung des Flüchtlingselends der Welt ernsthaft beitragen. So wie alle verantwortlichen Länder ‚IHREN ANTEIL‘ beitragen müssen!
Einfache Lösungen wird es nicht geben. Aber – eine Abschottungspolitik steht im Widerspruch zur gegenwärtigen breiten Hilfsbereitschaft in Deutschland. Täglich fahren Menschen in Erstaufnahmelager und helfen. Es gibt also auch längst den ‚Aufstand der Anständigen‘. Der ‚Aufstand der Zuständigen‘ muss noch verbessert werden! Die gesellschaftspolitische Debatte muss in gewissem Sinne vom „Kopf auf die Füße“ gestellt werden.

– Dazu gehört zwingend/unerlässlich die strikte Forderung an die Regierenden/ an die Parlamentarier/ an die ganze Gesellschaft die effektive Bekämpfung der realen Fluchtursachen muss ins Werk gesetzt werden. Einfach nur Symptombekämpfung genügt nicht.
– Landgrabbing und Rüstungsexporte sind sofort zu verbieten. Dies wird sehr starke
Widerstände hervorrufen. Aber es gibt dazu keine zielführenden Alternativen!
– Endlich ist mehr und genügend Geld in die Entwicklungszusammenarbeit zu investieren. Die Lebenschancen der Flüchtlinge in deren Heimat wirkungsvoll zu verbessern; dies muss jedenfalls ernsthaft versucht werden zu gewährleisten. Dazu gehört auch, bestehende Freihandelsabkommen mit ärmeren Ländern auszusetzen und Steueroasen sofort zu schließen.
– Es braucht legale Einwanderungsrouten, um das Sterben zu beenden – vor allem das Sterben im Mittelmeer.
– Die Kooperation mit Verfolgerstaaten und Terrorexporteuren wie Saudi-Arabien muss umgehend eingestellt werden.
– Nachhaltig wird man die Fluchtursachen nur wirksam bekämpfen können, wenn die weltweit vorherrschende neoliberale Wirtschaftsordnung in Frage gestellt und eine kooperative/solidarische Wirtschaftsweise ernsthaft angestrebt und letztlich hergestellt wird. Eine Wirtschaftsweise, die dem Konkurrenz-/Wettbewerbsprinzip unterliegt und verpflichtet ist
– die Profitmaximierung und Kapitalakkumulation zugunsten WENIGER – kann zwangsläufig nicht solidarisch sein und deshalb die Flüchtlingskrise auf Dauer nicht lösen!
– Eine echte Willkommenskultur muss etabliert werden. Regierung und Parlament müssen diese beispielgebend positiv vorleben.
– Die ganze Gesellschaft ist aufgefordert: Echte Willkommenskultur schafft Gelegenheit zur Begegnung. Z. B. Begegnung in Sportvereinen, Schachclubs oder auch in Kleingartenvereinen, wo man sich beim gemeinsamen Ernten näher kommt. Selbstverständlich ist die Politik aufgerufen, diese Ansätze auch praktisch zu unterstützen.
– Die Schule als Ort der Begegnung ist optimal geeignet im Unterricht zu vermitteln, warum Menschen flüchten, woher sie kommen, was sie brauchen. Die Kontakte zu Flüchtlingskindern sind wertvoll. Ihre Geschichten können Lehrstücke für uns alle sein.
– Es bedarf eines effektiven inhaltsmächtigen ‚Bürgerunterrichts‘, der die Menschen dazu befähigt als ‚Citoyen‘ in der Tradition und dem Geist der Aufklärung und den Idealen ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‘ aktiv und verantwortlich am Gemeinwesen teilzunehmen – dieses mitzugestalten. Eine inhaltsleere Staatsbürgerkunde, welche die gegenwärtigen politischen Systeme und die aktuell vorherrschende Weltwirtschaftsordnung keiner kritischen Auseinandersetzung unterzieht, ist verfehlt.
– Der Gewalt gegenüber Flüchtlingen (weit überwiegend „brauner“ / rechter Gewalt) ist mit den bestehenden Mitteln des Strafrechts und des Rechtsstaats konsequent zu begegnen. Was nicht benötigt wird sind weitere Verschärfungen der Sicherheitsgesetze oder Einschränkungen von Grundrechten wie der Versammlungsfreiheit. Solche Verschärfungen und Einschränkungen träfen am Ende die Falschen.

Was darf nicht geschehen!

Beispiel I
In den reichen NATO-Staaten schrumpft die einheimische Bevölkerung. In der EU fehlen nach Berechnungen des NATO-Militärdemographen Gunnar Heinsohn bei 1,5 Kindern pro Frauenleben jährlich 2,1 Millionen Neugeborene. Demnach müssen also bis 2050 – mindestens soweit in die Zukunft denkt die Nato – 75 bis 100 Millionen Menschen zuwandern oder in die EU flüchten. Der Forscher geht davon aus, dass diese Zuwanderung im Durchschnitt z w e i Kinder pro Frauenleben zustande bringt. Der EU sollen also durch Zuwanderung oder Flucht möglichst viele Menschen als Beschäftigte / Steuerzahler / Verbraucher zugeführt werden. Dies wird wie selbstverständlich als wichtiger Markt- und Machtfaktor angesehen und folgt ohne Zweifel der kapitalistischen Verwertungslogik! Welche gesellschaftlichen, kulturellen, politischen, ökologischen und ökonomischen Folgen dies für die Länder / Regionen bedeutet, die von diesem Exodus betroffen wären/sind, ist noch nicht einmal der Thematisierung wert! Der NATO-Militärdemograph ist zusätzlich der Ansicht, dass es in der EU (leider) so viele Unqualifizierte und Arbeitslose gibt und es werde in der Zukunft noch mehr geben. Er nennt sie die „Bedauernswerten“. Auch deshalb müssten mehr q u a l i f i z i e r t e Leute aus anderen Regionen der Welt „hereingeholt“ werden. Zumindest „jeder Zehnte“ könne eine Chance bekommen. Das bedeutet: Zur NATO-geförderten Arbeitsmarktpolitik gehört es, die e i g e n e n „Unqualifizierten“ und Arbeitslosen im A b s e i t s v e g e t i e r e n zu lassen.
Zuwanderer oder Flüchtlinge (egal !) haben für Heinsohn einen Vorteil: Sie stellen eine ’selection of the fittest‘ dar (Auslese der Angepasstesten). Sie haben sich erfolgreich im „Rattenrennen“ in die EU und innerhalb der EU durchgesetzt. Sie sind angekommen: Erste Selektion: „Nur Asse passieren die Grenze.“ Zweite Selektion: Sie sind noch erpressbarer und nehmen jede Arbeit an, ob hoch- oder nicht qualifiziert!
Beispiel II
Z.B. Professor Hans Werner Sinn vom ifo-Institut möchte die von ihm auch so genannte „deutsche Willkommenskultur“ (der besonderen Art) noch willkommener und vollkommener machen. Er fordert: Mindestlohn senken, damit „wir“ die Flüchtlinge besser „integrieren“ können! (Mindestlohn oder Flüchtlinge – beides geht nicht!) Flüchtlinge als weiteres Argument für die Senkung der Mindestlöhne (die derzeit ohnehin nicht armutsfest sind!). Arbeitgeberverband BDA und Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) stimmen freudig in diesen Sirenengesang ein!
Das Ziel: Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung von Niedrig- und Niedrigstlöhnerei. Noch weiter verschärftes Lohndumping als „menschenfreundliche Tat“. Eine solche Willkommenskultur sui generis kann nicht anders als unmoralisch/verwerflich/gewissenlos bezeichnet werden. Denn – so spielt man schwache Gruppen mit Wissen und Wollen gegeneinander aus – man lässt sie absichtlich aufeinanderprallen! Konkurrenzkampf zum Vorteil des Kapitals!

Beispiel III
Im Magazin der Bewegung für Soziale Gerechtigkeit November/Dezember 6/2015 KAB / Impuls – ist auf Seite 34 ein Leserbrief abgedruckt zu „Kein Mensch ist illegal“, in Impuls 4/2015, mit der Überschrift ‚ AUFNAHMEVERWEIGERUNG ‚. Der Leserbriefverfasser führt aus: „Mit der Hinzufügung „Kein Mensch ist illegal in Deutschland“ ist die Aussage objektiv falsch. ( … ) Ich spreche mich hiermit deutlich dagegen aus, dass sich die KAB, die ich als christliche Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit und inneren Frieden kennengelernt habe, nun voll und ganz der Gruppe „Pro Asyl“ anschließt und zusieht, wie Deutschland mit unzähligen Asylbewerbern überfrachtet wird. Wir Deutschen sind doch längst an einer Grenze der Aufnahmekapazität angekommen, und wir brauchen zur Bearbeitung und Sichtung der Asylanträge dringend einen Aufnahmestopp, eine Aufnahmeverweigerung. Sehe einen Rechtsbruch in der Tatsache, dass es abgewiesene Asylbewerber gibt, die dennoch ein Bleiberecht genießen, weil sie politisch geduldet werden. Wer sagt, dass Deutschland reich sei, verschweigt die horrende Staatsverschuldung. Die KAB Deutschlands sollte sich weiterhin dafür einsetzen, dass den in Not geratenen Völkern in ihrer Heimat Hilfe und Beistand zuteil wird (wie in Uganda).“
Offenbar kennt dieser Leserbriefverfasser die realen Fluchtursachen nicht oder er will sie nicht kennen! Man darf ihn – und das ist das WENIGSTE – an den Brief des Jakobus im Zweiten Testament, Kapitel 2, Verse 14 bis 17, erinnern ! :
„Was hilft’s, liebe Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen? Wenn ein Bruder oder eine Schwester Mangel hätte an Kleidung und an der täglichen Nahrung und jemand unter Euch spräche zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gäbet ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat – was könnte ihnen das helfen? So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber.“
Die richtige Weisung
Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber hat sich jedenfalls 1933 damit befassen müssen, was die Thora zum Thema ‚Fremdlingschaft‘ (also auch Flüchtlinge eingeschlossen) im Alten Israel wirklich gesagt hat. Buber übersetzt das entsprechende hebräische Wort mit ‚Gastsasse‘. In der Tat hat die Thora Vorschriften über den Gast-Status von Fremden in Israel erlassen. Dabei sind zwei Dinge entscheidend. Buber zeigt erstens, dass es im Alten Israel kein doppeltes Recht, sondern ‚einerlei Weisung, einerlei Recht‘ für Fremde und Einheimische gegeben habe. So heißt es im Ersten Testament, Num 15,16 und Lev 24,22: „Gleiches Gesetz und gleiche Rechte gilt für euch und die Fremden, die bei euch leben.“ Also gerade keine Diskriminierung! Und zweitens, dass es nach der Thora dem Fremden gegenüber nicht allein um dieselben Rechte, sondern sogar um Liebe geht. „Wenn ein Gastsasse bei dir in eurem Land gastet,“ zitiert Buber Lev 19,33 f., „plackt ihn nicht, wie ein Sproß von euch sei der Gastsasse, der bei euch gastet, halte ihn lieb, dir gleich, denn Gastsassen wart ihr im Lande Ägypten.“
Ähnliches in Dtn 10, 17 – 19 (nach Bubers Übersetzung): „Denn Er euer Gott … er, der Ansehn nicht gelten läßt und Bestechung nicht annimmt, der der Waise und Witwe Recht schafft, der den Gastsassen liebt, ihm Brot und Gewand zu geben. Liebet den Gast, denn Gastsassen ward ihr im Lande Ägypten.“ Martin Buber folgert daraus: „Es gehört zur biblischen imitatio Dei, den Gastsassen zu lieben: Gott liebt ihn, den Ungesicherten, so liebt ihn denn auch!“ Also: Der Sinn der zitierten Gebote in der Tora bezüglich des Lebens mit Fremden (also auch Flüchtlingen) im eigenen Land ist, den jeweils „Fremden“ zu schützen, ihm dieselben Rechte zuzusprechen, ja ihn zu „lieben“. In dieser Tradition stehend kann Jesus von Nazaret im Zweiten Testament, Mt 25, 35 – 36 sagen:

„Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.
Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.
Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht.
Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.“

Das sind die maßgeblichen Weisungen/Anleitungen und Feststellungen. Diese sind für uns bindend und führen uns zur richtigen Erkenntnis/Einsicht – egal ob Jude, Christ, Muslim, Humanist oder Atheist ! Mit diesen erhalten wir das Rüstzeug die Flüchtlingskrise als Mehrfachkrise anzugehen. Diese wirtschaftliche, gesellschaftliche, politische, ökologische, kulturelle, moralische und religiöse Krise ist hochkomplex. Aber sie wurde von Menschen gemacht – und muss auch von Menschen bekämpft und aufgelöst werden. Nicht irgendwann. Jetzt. Wir ALLE sind aufgefordert! Und in allererster Linie und in besonderer Weise diejenigen, die VERANTWORTLICH sind.
( Das D a t e n m a t e r i a l wurde entnommen aus:
– Sozialismus, Heft 9-2015, S. 6 ff. ‚Das Zeitalter der Massenvertreibungen‘
– Ossietzky, 22/2015 ‚Fluchtursache Kapitalismus‘, Ingar Solty
– FAZ.NET ‚Das Leben der anderen ist armselig und kurz‘, Reinhard Merkel, 22.09.2015
– AG Friedensforschung, Kassel , Rüdiger Göbel ‚Vernichtendes Ergebnis‘, 2008
– arbeitsunrecht.de Werner Rügemer ‚Flüchtlinge als Spielball‘, 22.09.2015)

Helmut Gelhardt, Neuwied-Engers, 27. November 2015
Vorstandsmitglied der KAB OV Engers-Mülhofen
Sprecher in Freihandelssachen (TTIP / CETA / TISA)
der KAB DV Trier und der KAB LV RLP
Mitglied des BUND & der NaturFreunde Kettig

Grillfeier der Nationen in Kettig

Naturfreunde und Flüchtlingsfamilien richteten gemeinsames Grillfest zur
vorgelebten Integration aus.

Kettig: Am 06. Mai richteten die Kettiger Naturfreunde ein spontan geplantes Grillfest
mit verschiedenen befreundeten Flüchtlingsfamilien in Kettig aus. Dabei waren auch viele Kinder, die mit Ballspielen und den Besuch im „Streichel Zoo“ der Förder- und Wohnstätte viel Spaß und Abwechslung hatten.
Eine Roma Familie aus Serbien, die kurz vor der Abschiebung stehen und in ihrem Heimatland mit dem Leben bedroht werden durch die eigene Familie, waren ebenfalls mit ihren 5 Mädchen zw. 2 und 14 Jahren gekommen, als auch vom Kosovo und eine Familie aus Syrien die ebenfalls 5 Kinder mitbrachten. Krieg, Vergewaltigungen, Misshandlungen von Frauen und Kindern sind dort an der Tagesordnung. Diese Familien suchen Schutz und kämpfen ums Planke Überleben bei uns. In ihren Heimatländern haben sie bei den jetzigen Umständen keine Zukunft.
Die Kinder haben nur bei uns eine Chance wenn sie zurück müssen, droht ihnen Gewalt, Hunger und Ausgrenzung. Sinti und Roma werden in Serbien verfolgt und ausgegrenzt, sie leben oft abseits der Städte in Containern oder Zelten in sehr ärmlichen Verhältnissen. Seit 2 bis 3 Jahren leben diese Familien nun in Deutschland, die Kinder gehen hier in den Kindergarten, zur Schule haben Freunde gefunden, müssen keine Angst vor Terror und Gewalt haben.
Die Naturfreunde haben vielen Flüchtlingen geholfen mit direkter und unbürokratischer Hilfe vor Ort. Arztbesuche, Behördengänge oder viele Kleider oder Möbelspenden wurden organisiert und von vielen Helfern und Spendern unterstützt. Freundschaften sind entstanden. Man wird eingeladen tauscht sich aus lernt Sprachen und andere Kulturen kennen und gewinnt Vertrauen.
Die Menschen standen und stehen für die Naturfreunde im Vordergrund, nicht ihre Nationalität, Religion oder Ihr Kleidungsstil.
So wurden beim Grillfest Kontakte geknüpft sich ausgetauscht teils mit Händen und Füßen
kommuniziert. Bei sehr ausgelassener Stimmung und reichlich Grillfleisch vom Lamm, Huhn Pute oder mit div. Salaten und vielen Arabisch bzw. Romanischen Köstlichkeiten, wurde ausgelassen gefeiert. So ist man dem Ziel zur besseren Integration dieser Menschen in unserer Gesellschaft an diesem schönen Nachmittag wieder ein ganzes Stück näher gekommen.

Zum 26.mal Vogelkonzert in Kettig belauscht

Seit über 25 Jahren führte die Vogelkennerin und Naturfreundin Gundela Regenbogen Tier-und Naturliebhaber in aller Frühe (04.00 Uhr) durch die Natur und lauschte den morgendlichen klängen der Vogelwelt. In diesem Jahr hatten die Frühaufsteher erstmals das Vergnügen mit Frau Regenbogens Nachfolgerin Anja Müller. Die engagierte Tierliebhaberin und Naturfreundin ist schon viele Jahre bei der Vogelstimmenwanderung dabei und hat sich viel Wissen angeeignet, was den Teilnehmern nun zu gute kam. Nach der Begrüßung des Vorsitzenden der Kettiger NaturFreunde Oliver Hartmann, stellte sich Frau Müller kurz vor und begrüßte ebenfalls die Nachtschwärmer recht herzlich.
Auch dieses Jahr trafen sich über 20 Interessierte Menschen aus
der Region in Kettig um Vogelstimmen zu hören und evtl. auch einige zu lernen.

Als erstes war eine Nachtigall mit ihrem Sehnsuchtsrufen zu hören, weit weg, aber noch zu nächtlicher Zeit. Danach war es fast eine Stunde gespenstig still, bei nass kalten Wetter
Dann begann allmählich leben in die Vogelwelt zu kommen und immer mehr Vogelarten waren heraus zu hören. Zum Beispiel das Rotkehlchen, die Amsel und andere Drosselartigen gesellten sich dazu, verschiedene Grasmückenarten erfreuten die Vogelliebhaber mit ihren teils sehr melodischen Gesang. Auch ein Fasan eine Ringeltaube, Mönchsgrasmücke und ein Goldammer wurden erkannt und belauscht. Der Grünspecht und Zaunkönig waren ebenso aktiv zu hören wie der Zilpzalp.
Zusammen haben viele Vogelarten, aber auch andere Tiere wie ein Rehbock oder Wildschweine die Teilnehmer erfreut. Durchgefroren konnte man sich am Schluss in der Cafeteria der Förder- und Wohnstätte Kettig bei einem liebevoll von Naturfreundin Jasminka Strempel, angerichteten Frühstück wieder aufwärmen und stärken.
Insgesamt war es eine schöne Wanderung, von den Kettiger NaturFreunden veranstaltet mit Unterstützung durch die FWS Kettig, mit viel Freude an der Schönheit der Natur, und dem allgemeinen Wunsch, immer mehr Vögel im Gesang erkennen und bestimmen zu können.

Nur noch 700 Häuser und 350.000 internationale NaturFreunde

Die internationale NaturFreunde-Gemeinschaft ist leider kleiner geworden. Einige osteuropäische NaturFreunde-Organisationen haben die NaturFreunde Internationale (NFI) verlassen, wie etwa der polnische PTTK. Oder sie wurden gleichgeschaltet, wie in Ungarn.

Die NFI bittet vor diesem Hintergrund um Aktualisierung der internationalen Mitgliederzahlen in euren Medien. Reduziert haben sich sowohl die Anzahl der Mitglieder von vormals 500.000 auf jetzt 350.000 als auch die Anzahl aller Naturfreundehäuser weltweit von bisher 1.000 auf nun 700.

Die Zahlen für Deutschland bleiben weiterhin: mehr als 70.000 Mitglieder in über 600 Ortsgruppen mit rund 400 Naturfreundehäusern.

Mehr Informationen
NaturFreunde Internationale (NFI)
0043 (0)1 892 38 77
info@nf-int.org

Tolle 25 Jahr Feier der NaturFreunde Kettig

Beata Hillesheim geehrt für 25 Jahre Mitgliedschaft

im Rahmen der 25 Jahr Feier der Naturfreunde Kettig im Bürgerhaus Kettig, konnten sich die Naturfreunde über zahlreiche Gäste und Ehrengäste freuen.
Bei der gut besuchten Festveranstaltung waren viele Vertreter der 44 Naturfreunde Ortsgruppen aus Rheinland Pfalz angereist. Auch zahlreiche Ehrengäste, darunter der Schirmherr Landrat Dr. Saftig, wohnten der Jubiläumsfeier bei.
Bei der Begrüßung legte der Vorsitzende Oliver Hartmann vor allem Wert darauf sich bei den viele fleißigen Helfern und Jahrelangen treuen Unterstützern zu bedanken. All die Erfolge des Vereins seien ohne ein solches engagiertes Vorstandsteam und den aktiven Mitgliedern nicht möglich, so der Vorsitzende.
Oliver Hartmann überreichte im Namen der Naturfreunde Kettig dem Gründungsmitglied und Frau vom verstorbenen Vereinsgründer Elmar Hillesheim, Beata Hillesheim die Ehrennadel für 25 Jahre Mitgliedschaft. Er bedankte sich bei Frau Hillesheim für Ihre kompetenten Ratschläge, ihre große Fachkenntnis und Erfahrung im Sozialen und Umweltschutz, denn ohne Ihre engagierte Arbeit und Treue hätten wir die schwere Nachfolgte von Elmar Hillesheim nicht so bewältigen können, so Hartmann.
Dann folgte die Begrüßung der Ehrengäste mit dem Schirmherren Landrat Dr. Alexander Saftig, dem Ortsbürgermeister Peter Moskopp, sowie seinem Kollegen Georg Hollmann von der Verbandsgemeinde Weißenthurm.
Auch der Bundesvorsitzende der Naturfreunde Deutschlands Michael Müller und die Landesvorsitzende der Naturfreunde Rheinland Pfalz Doris Barnett waren zum Jubiläum angereist.
Besondere Freude über ihre Anwesenheit hatten die Naturfreunde bei der Hausband der Förder und Wohnstätte aus Kettig. Sopranistin Sonja Gottlieb aus Idar Oberstein konnte mit ihren Liedern aus der Arbeiter- und Friedensbewegung begeistern genau wie der Liedermacher Manfred Pohlmann aus Neuwied mit Moselfränkischen Stücken aus eigener Feder.
Richtig Stimmung machte der pensionierte Lehrer Hans Wohlgemuth mit Volkstümlichen heiteren Liedern von Reinhard Mey und Freddy Quinn. Auch befreundete Vereine und Organisationen hatte Ihre Infostände aufgebaut um Ihre Verbundenheit zu zeigen. So waren der BUND, die Förder und Wohnstätte Kettig , die Arbeitsgemeinschaft Nette und der VdK Koblenz gekommen.
Durch das Festprogramm führte routiniert und gewohnt humorvoll und locker Hermann Doetsch aus Weißenthurm.
Herr Doetsch konnte bei seinen Ansagen mit seinem Scharm und unnachahmlichen Witz das Publikum begeistern und schnell eine gewisse Anspannung aus der Jubiläumsfeier herausnehmen.
Alle Festredner und Ehrengäste lobten und würdigten die vielfältige Arbeit der Naturfreunde. Dabei wurden die traditionellen Veranstaltungen wie Vogelstimmenwanderung, Pilzwanderung oder Feier zum Frauentag herausgehoben, aber auch die Betreuung und Pflege der Streuobstwiesen die Patenschaft des Kettiger Baches und die aktuelle Hilfe bei den Flüchtlingen.
Die gute und Freundschaftliche Zusammenarbeit mit der Förder -und Wohnstätte mit den vielen gemeinsamen Projekten wie Apfelsammlung oder den 2013 gegründeten Kulturstammtisch waren ebenso bei den Reden ein Thema wie die Betreuung des Rhein-Burgen Weges oder die Heimatkundlichen Führungen und Begehungen der letzten Jahre.
In seinem Rückblick erwähnte Oliver Hartmann auch das Engagement und den Einsatz bei der Anti Atombewegung oder den Kampf gegen den rechten Terror, Fremdenhass und Hetze gegen Flüchtlinge. Nicht zuletzt verwies er auf die Erfolge des leidenschaftlichen Naturschützers Elmar Hillesheim, dessen größtes Projekt die Flusslandschaft des Jahres 2008/09 die Nette auch sein letzter Erfolg war bevor er 2009 nach schwerer Krankheit verstarb.
In Sinne von Elmar und des Naturschutzes und den Slogan „Naturnah – Sozial – Heimatverbunden“ wollen die Kettiger Naturfreunde sich weiter einsetzen und sich für die Sache in der Zukunft engagieren. Zum Abschluss bedanke sich Hartmann bei allen Gästen, Ehrengästen und Helfern für deren Festreden und Unterstützung bevor es zum gemütlichen Teil überging und die Feier allmählich ausklang.

Klimaschutz zuerst! – Rechtspopulismus? Nein danke!

Klimaschutz zuerst! – Rechtspopulismus? Nein danke!

Bündnis Klimaschutz Mittelrhein mischt sich in den Wahlkampf ein und plant zahlreiche Aktionen 

Das Bündnis Klimaschutz Mittelrhein, ein überparteiliches Netzwerk von bereits 17 Verbänden aus Klima-, Umwelt- und Naturschutz aus dem Raum Koblenz-Neuwied-Westerwald, wird sich ab sofort in den Wahlkampf einmischen. „Leider wird zurzeit das Thema Klimaschutz von den meisten Parteien totgeschwiegen. Obwohl in Paris eine Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad verbindlich vereinbart wurde, duckt die Politik sich weg. Der CO2-Ausstoß verharrt auf hohem Niveau. Das ist unverantwortlich gegenüber kommenden Generationen und das wollen wir ändern“, so Peter Thelen von den Naturfreunden Kettig und der BI gegen das AKW Mülheim-Kärlich.

Das Bündnis Klimaschutz fordert deshalb, dass sich alle Politiker und Verwaltungen bei ihren Maßnahmen immer die Klimaschutz-Wirkungen ihrer Entscheidungen vor Augen halten. „Klimaschutz zuerst!“ gelte auch für die Wirtschaft, Haushalte, Verkehr oder Verbraucher. Egbert Bialk vom BUND betont: „Die Politik muss hier klare Rahmen setzen, wenn wir die Klimaziele noch erreichen wollen. Das werden wir sehr deutlich einfordern.“ Dazu gehören:

– Schnellere Abwicklung der Atomkraft. Thelen: „Die Energiewende hat die gefährlichen AKW überflüssig gemacht, bei Rückbau und sicherer Mülllagerung sind nun riesige Probleme zu lösen.“
– Kohleausstieg sofort. Keine Energietechnologie schädigt Landschaft, Klima und Gesundheit schlimmer als die Kohlekraft;- Ausbau der Erneuerbaren und Abbau von Bürokratie bei Wind- und Sonnenkraft. Erhaltung der Genossenschaften, Speichern statt Riesenstromtrassen;
– Energiesparanstrengungen, auch im Bereich Wärme und Verkehr, Lenkung durch CO2-Abgaben, raus aus der Verschwendungswirtschaft;
– Verkehrswende: Verbrennungsmotor ist eine Technik von gestern. Stoppt die Abgas-Betrüger! E-Autos nur mit Ökostrom, attraktiver Nahverkehr, Förderung von Rad- und Fußverkehr;
– Agrarwende und fairer Welthandel: Klima- und Naturschutz durch Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft und regionale Märkte statt der Agrarindustrie, Informationen über gesunde, fleischreduzierte Ernährung.

Erste Aktionen im Internet laufen bereits an, z.B. www.klima-first.de, gestartet von Frank Simonis, Neue Energie Bendorf. Viele Kandidaten werden in Kürze zu ihrer Klimapolitik befragt, Straßenaktionen und CO2-freie Touren folgen im Sommer und im November die aktive Teilnahme am Bonner Klimagipfel. Simonis: „Wir sind der festen Überzeugung, dass nur unsere aktive Zivilgesellschaft der Politik auf die umwelt- und klimapolitisch notwendigen ‚Sprünge‘ helfen kann.“

Das Klimabündnis tritt ausdrücklich den Politikern entgegen, die die Klimaproblematik unverhohlen leugnen. „Gerade rechte Gruppierungen wie die AfD sind Sammelbecken von Klimaskeptikern und Atomfreunden“, so belegt Helmut Gelhardt von der Kath. Arbeitnehmer-Bewegung KAB. Ein Sprecher für Energiepolitik der AfD, Günter Keil, habe erklärt, der Atomausstieg sei „ein dunkles Kapitel deutscher Energie- und Umweltpolitik“. Sein Kollege Stephan Boyens meinte, der Klimawandel sei Panikmache und die Anstrengungen Deutschlands CO 2 einzusparen, ergäben wenig Sinn. Gelhardt: „Ursachen und Folgen des Klimawandels werden ins Lächerliche gezogen, unzweifelhafte Erkenntnisse des Weltklimarats (IPCC) ohne Sachbegründung einfach verworfen. In der Agrarpolitik schlägt sich die AfD nur vorgeblich auf die Seite des „kleinen Mannes“, kritisiert, dass die bäuerlich-ökologische Landwirtschaft die Preise für Lebensmittel in die Höhe treibe. Mit solchen rückwärtsgewandten Anschauungen der rechten Gruppierungen und deren verquerer Ideologie ist kein Staat zu machen und schon gar keine Umwelt- und Klimapolitik, die für das Überleben dieses Planeten – für die Bewahrung der Schöpfung – unerlässlich ist. Wir werden allen Demokratiefeinden entschieden entgegentreten und sagen klar und deutlich: Rechtspopulismus? Nein danke!“

Infos und Ansprechpartner:
NaturFreunde Kettig –
Naturfreunde-kettig@gmx.de oder unter 02637 8914

25 alte Platanen am Rheinufer wurden gefällt

Die 25 Platanen am Weißenthurmer Rheinufer sind seit einigen Wochen Geschichte.
Die Kettiger Naturfreunde hatten gemeinsam mit einigen Bürgerinnen und Bürgern aus Weißenthurm, Bürgerinitiativen und Umweltverbänden 2 Jahre vergeblich versucht den alten Baumbestand vor dem abholzen zu retten. Leider scheiterte diese Vorhaben weil niemend in Weißenthurm bereit war ein Bürgerbegehren einzuleiten.
Auch wurde in der Presse sehr einseitig über die Bäume in der Vergangenheit seitens der Stadt Weißenthurm berichtet. Dort wird der Eindruck vermittelt die Bäume seien alt und krank gewesen und nicht sanierbar. Dies ist nachweislich laut einem Gutachten von 2013 eine falsche Darstellung. Laut diesem Gutachten befanden diese sich in ihrer Vitalität in einem guten bis zufriedenstellenden Zustand. Die aufgeführten Schäden an den Bäumen sind in der Hauptsache auf falsche und nicht fachgerechte Pflege zurück zu führen, so der Gutachter.
Natürliche Lebensräume für div. Tiere wie Vögel oder Fledermäuse gab es nur in den alten Bäumen die bereits Löscher oder Höhlungen von abgebrochenen Ästen aufgewiesen hatten. Es wird weiter darauf verwiesen das diese Schäden mit hinnehmbaren Aufwand beseitigt und wieder zu beheben gewesen wären. Einige Bäume befanden sich sogar in einem guten Zustand mit nachhaltig positiver Entwicklungsperspektive. Im Kostenvergleich ist eine komplette Fällung aller 25 Platanen und deren Neuanpflanzung in jedem Fall teurer als die vorhandenen Bäume zu sanieren und zu erhalten.
Die Begründung die Bäume seien inzwischen zu alt können wir nicht nachvollziehen, da Platanen nachweislich bis zu 250 Jahre alt werden können.
Bei einer Nachbepflanzung durch junge Bäume sind diese Voraussetzungen für die Tiere nicht gegeben. Somit zerstört man deren Lebensraum für sehr lange Zeit manchmal gar unwiderruflich. Diese alten Platanen bildeten ihr eigenes Ökosystem und waren Brutstätten vieler Tierarten. Des weiteren weisen wir drauf hin, das es laut Gutachten keinerlei Sicherheitsbedenken gab. Der alte Baumbestand prägte das Ufer maßgeblich positiv. Ebenfalls wird zu bedenken gegeben, dass eine Bezuschussung vom Land für die Umgestaltung erfolgt, jedoch gibt’s kein Geld die Bäume zu sanieren, bzw. fachgerecht zu schneiden. Es scheint so als ob die Prioritäten nicht bei der Verschönerung der Stadt liegen, sondern es sich nur um den Zuschuss dreht. Das Geld hätte man sicher an anderen Stellen der Stadt sinnvoller zur Neugestaltung einsetzen können. Alles zusammen haben die Stadtplaner diese seit Jahren vorliegenden Anliegen, Argumente und gesammelten Unterschriften der Bürger von Weißenthurm nicht weiter beachtet und ihr Projekt ohne Kompromisse durchgesetzt.