Muslime & Christen feiern gemeinsam Advent in Kettig

In unruhigen Zeiten setzte die „Besinnliche Adventsfeier“ in der Cafeteria der Förder und Wohnstätte in Kettig ein Zeichen zur Völkerverständigung und Integration vor Ort.

Herbergssuche damals – Flüchtlinge heute, das war der Anlass zur gemeinsamen Feier in der gut besuchten Cafeteria der Facheinrichtung für Menschen mit Behinderung.
Der Vorsitzende der Kettiger Naturfreunde Oliver Hartmann begrüßte die zahlreichen Gäste aus vielen Nationen und die Einheimischen sehr herzlich.
Dabei freuten sich der Gastgebende Förderverein des Hauses und die Naturfreunde besonders über das Kommen der zahlreichen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Serbien. Der Geschäftsführer der Förder und Wohnstätte Dr. Alfred Marmann führte durch das Programm.

Für die Musikalische Begleitung sorgten Christoph Hofstetter und Monika Unkelbach die mit zwei Weihnachtslieder das Programm begannen, bevor von der Flüchtlingsbeauftragten der Naturfreunde Frau Jasminka Strempel ein Bericht über deren Flüchtlingshilfe vorgetragen wurde.
Dabei erzählte Frau Strempel über die Anfänge ihrer Hilfe für Flüchtlinge als Übersetzerin im Netzwerk Rübenach. Die gebürtige Kroatin spricht fließend Serbo- kroatisch und konnte so den Flüchtlingen aus den Balkanstaaten viel Unterstützung geben. Angefangen mit zahlreichen Sachspenden bis hin zur Begleitung zu Behörden und Ärzten, engagiert sich Frau Strempel seit fast 2 Jahren für die unverschuldet in großer Not geratenen Menschen. „Die Arbeit hat sich seither verändert“ so die Urmitzerin.
Heute sind Freundschaften entstanden, man wird eingeladen, besucht sich und hat vertrauen gewonnen.

Nach einem Video über zwei Flüchtlinge in dem ein Deutscher von seiner Flucht im Jahre 1945 und der anderer Flüchtling von seiner Flucht 2015 berichten, erzählte Frau Rosemarie Marx aus Mülheim-Kärlich sehr bewegend Ihre Erinnerungen an die Flucht ihrer Familie im 2 Weltkrieg als Sie noch Kind war. Heute engagiert sie sich aufgrund ihrer eigenen Fluchterfahrung in der Flüchtlingshilfe.
Dr Marmann interviewte eine syrische Familie, die inzwischen in Kettig lebt und deren Flucht.Die zwei jugendlichen Töchter konnten den Gästen eindrucksvoll in gutem Deutsch die Stationen ihrer Flucht seit 2013 wiedergeben. Von Syrien ging zunächst nach Ägypten, dann nach Libyen und von dort per Boot nach Malta von wo ein Italienisches Schiff sie nach Italien brachte. In allen Ländern, so die beiden Mädchen wollte sie keiner länger haben und sie zogen weiter, bevor sie dann vor ca. 1,5 Jahren nach Kettig kamen. Viele ihrer zurückgelassenen Familie und Freunde sind tot oder vermisst. Ihre Hoffnung ist es, hier nun eine Zukunft, ein neues sicheres Leben und ein zu Hause zu finden.

Zwischendurch gaben Herr Hofstetter und Frau Unkelbach immer wieder einige Weihnachtslieder zum besten.

Hussein aus Afghanistan konnte trotz seiner nicht so guten Deutschkenntnisse den Gästen vermitteln, das es für ihn in seiner Heimat keine Zukunft mehr gibt und er in Frieden und Freiheit in Deutschland leben will.

Nach einer sehr nachdenklichen Geschichte über die schrecklichen Erlebnisse einer Flüchtlingsfamilie aus Afghanistan vorgelesen von Irene Klank-Wirblauer, thematisierte Eckart Huber an anschaulichen Landkarten und Statistiken die aktuelle Lage in Syrien und im gesamten Arabischen Raum. Er zeigte auf wie sich auch bei den Muslimen mehrere Gruppen wie die Sunniten und Schiiten gespalten haben und sich bis heute in vielen Ländern bekämpfen.

Dem Vater einer serbischen Roma – Familie, die mit 5 Töchtern seit ca 2 Jahren hier sind, war sichtlich anzumerken, wie groß seine Angst vor einer Abschiebung ist und wie sehr sich diese Familie ein „normales“ friedliches und glückliches Leben mit Zukunft für ihre Töchter wünschen. Doch diese müssen wieder zurück, haben kein Bleiberecht, gehören zu den so genanten sicheren Drittstaaten. In Serbien haben sie keine Aussicht auf Arbeit oder gar eine Wohnung, Roma und Sinti sind auch dort ausgegrenzt von der Gesellschaft und leben in Zeltstädten am Rande der Städte; Hunger und Kälte sind üblich.

Am Schluss der Veranstaltung bedankte sich Dr. Marmann bei allen Gästen und Mitwirkenden sehr herzlich und lies durch Oliver Hartmann an alle zahlreichen Kinder eine Nikolaustüte verteilen. Die Akteure bekamen zum Dank Apfelsaft von der Streuobstwiese der Naturfreunde, bevor Herr Hartmann den Adventsnachmittag mit einem besonderen Dank an Jasminka Strempel für ihre Flüchtlingshilfe und Herrn Marmann für dessen Unterstützung und Zusammenarbeit beendete, allen einen guten nach Hause weg und schöne Feierteige wünschte.

„Bündnis Klimaschutz Mittelrhein“

Pressebericht vom August 2016 des BKM (Bündnis Klimaschutz Mittelrhein):

„Kommunen müssen endlich ernst machen beim Klimaschutz!“
„Bündnis Klimaschutz Mittelrhein“ warnt Stadt und Kreis vor den Folgen des weiteren Nichtstuns bei der Energie- und Verkehrswende
„Wie viele Temperaturrekorde, wie viele Extremwitterungen und wie viele Überschwemmungen brauchen unsere Stadt- und Kreisoberen noch, bis sie begreifen, dass von ihnen mehr verlangt wird als schöne Konzepte und Absichtserklärungen? Die Gewitterstürme beim Rock am Ring, die voll gelaufenen Häuser in unseren überschwemmten Dörfern und die Ernteschäden in der heimischen Landwirtschaft zeigen doch: Der Klimawandel ist längst da bei uns. Wir alle müssen handeln, auch auf kommunaler Ebene. Je länger man zögert, umso teurer wird es.“, so Egbert Bialk, BUND-Vorsitzender in Koblenz für das „Bündnis Klimaschutz Mittelrhein“. Ein Zusammenschluss von über zehn Natur- und Umweltgruppierungen der Region. Gemeinsam tritt das Bündnis jetzt an die kommunalen Spitzen heran und an die Öffentlichkeit. Die Energiewende und insbesondere der Verkehrssektor sollen neben dem Natur- und Umweltschutz dabei im Mittelpunkt stehen.
Der Umweltmediziner Dr. Thomas Bernhard, auch Sprecher des Solarenergieförderverein, Infostelle Koblenz, begründet warum: „Jedes Jahr wird weltweit die Temperatur im Durchschnitt höher. Amerikanische Klimaforscher haben gerade wieder veröffentlicht, dass bislang jeder Monat des Jahres 2016 jeweils der wärmste Monat war seit Aufzeichnung der Wetterdaten. Nicht nur in Afrika herrscht darum große Hungersnot, auch bei uns treten extreme Schäden auf, da muss die Politik endlich wirksam steuern, zum Beispiel durch eine CO2-Abgabe auf die Rohstoffe Öl und Kohle.“ Bernhard beklagt seit langem, dass auch die Stadt Koblenz viel zu passiv sei bei der Umsetzung des beschlossenen Klimaschutzkonzeptes. „Noch nicht einmal die bislang erreichte CO2-Reduzierung konnte man uns vorlegen. Diese Daten werden wir im Umweltausschuss am 30. September einfordern, übrigens endlich auch in öffentlicher Sitzung, wozu wir zahlreiche Gäste erwarten. Auf dieser Basis wird klar belegt werden können, was Koblenz braucht: Eine Energiesparinitiative bei den Gebäuden und eine Verkehrswende, also mehr tun für Fußgänger und Radfahrer statt für Autos, und endlich die Anschaffung von sauberen E-Bussen. Jede städtische Investition muss auf seine Klimawirksamkeit kritisch überprüft werden. Nach Paris und dem dort vereinbarten Klimaziel von 1,5 Grad maximaler Erwärmung müssen auch die deutschen Klimaziele nachgeschärft werden, natürlich auch in Koblenz. Investitionsstau beim Klimaschutz ist Katastrophe“
Peter Thelen von den Naturfreunden Kettig und der Bendorfer BI gegen das AKW Mülheim-Kärlich fordert auch für den Kreis Mayen-Koblenz eine ambitionierte Klimaschutzpolitik: „Beim neuen Klimaschutzkonzept brauchen wir von Anfang an ein kompetentes begleitendes Management. Wer hier gleich an Personal spart, hat die bedrohlichen Zeichen der Zeit nicht erkannt“, so Thelen. Priorität für das Umland müsse eine Verkehrswende haben, damit die hohen Schadstoff- und Klimagasemissionen zurückgefahren und ein attraktiver, bürgernaher öffentlicher Verkehrsverbund geschaffen werden. Dies gelte auch für die Nachbarkreise Neuwied, Westerwald, Rhein-Lahn und Rhein-Hunsrück. Thelen: „Die Stadt Koblenz, die im Autoverkehr erstickt, sollte daran ein besonderes Interesse haben.“

Für die nächsten Monate kündigt das Bündnis Klimaschutz Mittelrhein an, direkt an die genannten Kreise und ihre Politiker heranzutreten und Möglichkeiten der konstruktiven Zusammenarbeit auszuloten. Neben Veranstaltungen zum Atomausstieg am 25.8. in Koblenz und der Demo-Beteiligung zu „TTIP stoppen!“ am 17.9. in Frankfurt soll das Thema der CO2-Reduzierung im Mittelpunkt stehen, auch im dann anlaufenden Bundestags-Wahlkampf.

Weitere Infos: zunächst über das Koblenzer Umweltbüro oder den BUND Tel. 0261-9734539 oder bei den NaturFreunden Kettig 02637 8914.

Muslime verurteilen Terror und Gewalt

Angesichts der  Terroranschläge gegen unschuldige Menschen mit zahlreichen Opfern in Brüssel sind die Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Koblenz und im gesamten Bundesgebiet tief betroffen und bestürzt.

Das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat, der fünfte Kalif, Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (aba) sagt: „Alle Formen von Terrorismus und Extremismus sind völlig konträr zu den wahren Lehren des Islam. Der Heilige Koran stellt unmissverständlich klar, dass wer auch nur eine einzige unschuldige Person tötet, damit die gesamte Menschheit tötet. Unter keinen Umständen rechtfertigt der Islam Mord und Terror.“

„Wir sind entsetzt über die tragischen Ereignisse und verurteilen die gemeinen und menschenverachtenden Anschläge in Brüssel. Unsere Gebete und Gedanken sind bei den Verletzten und Hinterbliebenen. Als friedliebende Muslime sind wir ganz besonders davon betroffen, dass Menschen im Namen Gottes morden und im Namen des Islam ihre feigen und perversen egoistischen Ziele verfolgen.“, stellte Abdullah Wagishauser als Vorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland klar.

Als Muslime fühlen wir uns verpflichtet, die Deutungshoheit über den Islam nicht Terroristen zu überlassen. Jede Form von Gewalt und Terror stehen im Widerspruch zu der Friedensbotschaft des Islam sowie aller anderen Religionen auch.

Gewalt, Anschläge und Terror sind mit jeder staatlichen Maßnahme zu bekämpfen. Menschen, die die gesellschaftszersetzende Wirkung von Terror für perfide und egoistische Ziele nutzen, müssen gefasst und vor Gericht gestellt werden. Auch wir Muslime müssen dafür Sorge tragen, dass die wenigen gewaltbereiten Personen die sich als Muslime bezeichnen ideologisch isoliert werden. Muslime dürfen keine Möglichkeit auslassen um immer wieder auf die reine Friedenslehre des Islam hinzuweisen, die uns verpflichtet religiösen Terror mit allen rechtstaatlichen Mitteln zu bekämpfen.

Alle staatlichen Kräfte, politischen Bewegungen und Parteien und religiös, kulturell aktive Gemeinschaften sind dazu aufgerufen, die Terroranschläge nicht dazu zu nutzen, anti-demokratische Forderungen in den Raum zu stellen, die die Freiheitliche Grundordnung unterminieren können.

Ahmadi-Muslime rufen unter dem Motto: „Liebe für alle – Hass für Keinen“ und der Aktion „Frieden, Freiheit, Loyalität“ und „Muslime gegen Gewalt“ zu Besonnenheit auf.

Wir setzen unsere Arbeit für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen in Koblenz und Deutschland fort. Eine Info-Aktion der Ahmadiyya Muslim Jamaat startet am, 02.04. am Löhrrondell in der Koblenzer Innenstadt, wo wir die Mitbürgerinnen und Mitbürger über die friedlichen Lehren des Islam informieren.

In unruhigen Zeiten ist der Dialog unter den Menschen wichtiger als jemals zuvor.

Terror zurückdrängen und bekämpfen

Berlin, 18. November 2015 – Zur aktuellen Debatte um Folgen und Ursachen des Terrors erklärt Michael Müller, Bundesvorsitzender der NaturFreunde Deutschlands:

Die Welt ist aus den Fugen geraten. Fundamentalistische Ideologien haben sich mit den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts verbunden. Doch der Schrecken der letzten Tage und Monate hat seine Ursachen vor allem in der Globalisierung, die zwar ökonomisch unerbittlich vorangetrieben, politisch aber nicht gestaltet wurde.

Mit der absehbaren Ressourcenknappheit werden sich die Konflikte weiter zuspitzen

Die wichtigsten Ursachen für Gewalt und Terror sind seit Jahrzehnten bekannt: Im Nahen Osten liegen rund zwei Drittel der weltweiten Ölreserven. Darum steht die Region seit Anfang des letzten Jahrhunderts im Zentrum der strategischen Interessen der Industriestaaten. Mit dem Aufstieg des Öls zur Weltmacht haben sich die Konflikte zugespitzt. Sie werden weiter eskalieren, weil der Höhepunkt der Ölförderung erreicht wurde. Mit der absehbaren Ressourcenknappheit prallen Interessen und Konflikte immer härter aufeinander.

Der Öl-Imperialismus will die undemokratischen Strukturen nicht ändern

Die Nahostregion war und ist eine Region des Öl-Imperialismus. Sie wurde über Nacht schwerreich, ohne dass es eine Entwicklung hin zu Demokratie und Gerechtigkeit gegeben hat. Bis heute sind feudalistische Strukturen vorhanden. Aber die Ölkonzerne, die reichen Scheichs wie auch die Industriestaaten haben kein Interesse daran, die Machtverhältnisse zu ändern. Insofern ist es verlogen, allein die fundamentalistischen Regime zu kritisieren, deren Entstehen auf den Öl-Imperialismus zurückzuführen ist. Reiche Staaten finanzieren den Terror, der aber erst durch die Stellvertreterkriege und die militärische Aufrüstung in Nahost möglich wurde.

Die Industriestaaten handeln verantwortungslos gegenüber der Dritten Welt

Ein weiterer Grund für Gewalt und Terror ist die Verantwortungslosigkeit der Industrienationen gegenüber der Dritten Welt. In der UNO werden bedeutungsschwere Resolutionen gefasst, aber in sozialen und ökologischen Fragen faktisch wenig getan. Die ökologischen Verwüstungen sind ein wichtiger Grund, warum Menschen entwurzelt werden und flüchten müssen. Diese sehen genau, wie wenig die Industrienationen tun, um Gerechtigkeit zu schaffen.

Unsere Gesellschaft bietet Migranten kaum Perspektiven

Und nicht zuletzt gibt es bis heute keine wirkliche Integrationspolitik. Vor allem die 2. und 3. Generation der Migranten hat zwar zum Teil eine gute Ausbildung, aber oft keine echte Perspektive. Für diese Menschen geht es nicht um Flucht, sondern um die schlechten Chancen,

die sie in den Industrienationen haben. Viele wohnen an den Stadträndern oder in überlasteten Wohnvierteln und werden zur Gesellschaft in der Gesellschaft.

Die Berichterstattung dreht sich um spektakuläre Ereignisse statt Ursachen

Die Fluchtursachen werden nicht aufgearbeitet, das bleibt seit vielen Jahren ein leeres Gerede. Tatsächlich geht es in den Berichterstattungen um das spektakuläre Ereignis und die schnellen Internetinfos. Da ist es auch nicht hilfreich, wenn Bundesinnenminister de Maizière in Pressekonferenzen von einer gewaltigen Gefährdung spricht, dann aber die Menschen mit diffusen Andeutungen allein lässt.

Hannover war keine Glanzleistung deutscher Politik, London hat es ungleich besser gemacht. Bei uns herrscht Mittelmaß. Terror und Gewalt können aber nur von einer Gesellschaft zurückgedrängt werden, die selbstbewusst und offen ist. Andernfalls lässt sie sich immer mehr in die Ecke drängen und verliert den freiheitlichen Kompass. Das dürfen wir nicht wollen.

Historische Führung in Kettig am Tag des offenen Denkmals

Historische Führung durch Kettig zur 1100 Jahr Feier

Am Tag des offenen Denkmals konnten sich die Kettiger Naturfreunde und Ortschronist Gerhard Elingshäuser trotz des Regenwetters über ein großes Interesse mit über 20 Personen freuen, die zur Historischen Ortsführung durch den alten Ortskern gekommen waren. Angefangen wurde nach der Begrüßung von Herrn Elingshäuser am Kindergarten in der Flurbezeichnung „In der Pfütze“. Elingshäuser erklärte den interessierten Zuhörern warum die Flurbezeichnung am Kindergarten „in der Pfütze“ heißt. Im Jahre 1481 war Kettig eine „Festung“ mit Palisadenzaun rund ums Dorf und einen großen wassergefüllten Graben, der vor Eindringlingen und Angreifern schützen sollte.

An den Ortseingängen waren Tore wie das „Andernacher Tor, die „Kärlicher Port“ oder das „Zolltor“ und die „Kirch-Pforte“ Die Senke am heutigen Kindergarten „in der Pfütze“ war vom Bach mit Wasser angestaut und galt als natürliche Barriere. Nach dem 30jährigen Krieg waren die Befestigungen nutzlos und verschwanden. Jedoch sind die „Grabengässchen“ rund ums Dorf großteils erhalten geblieben.
Unweit des Baches gab es eine Mehl-Mahlmühle die 1815 von Kasper Werle erbaut wurde. Die Mühle wurde bis ca. 1960 betrieben.

Weiter ging dann die Gruppe zur Bachstraße. Gerhard Elingshäuser erklärte das hier der Bach bis 1954 offen durch die Straße verlief. Das war für alle Kinder immer ein beliebter Spielort, so Elingshäuser.

An der Schnürstraße konnte man erfahren, dass diese früher Schnurgasse und später auch Judengasse gennant wurde. Dort wohnten Seiler aber auch seit 1550 mehrere jüdische Familien. Ebenfalls ist belegt das es in Kettig eine Glockengießerei gab wo heute noch eine in Kettig gegossene Glocke in Heppingen/Ahr in der Kirche hängt. Der ehemalige Kindergarten (heute Schwesternhaus und Pfarramt) wurde seit 1911 als Bewahrschule geführt. Diese wurde betreut von 1921 bis 1984 von den „Schwestern vom Göttlichen Heiland“ aus Wien. Ebenfalls befand sich gegenüber vom Schwesternhauses eine ehemalige Bäckerei, was später dem verstorbenen Naturfreund Elmar Hillesheim gehört hat.

Bei der Dobenstraße bzw. Dobengasse oder in Kettiger Platt auch „Douvegass“ genannt berichtet Herr Elingshäuser das hier früher „Dauben“ also „Fassdauben“ für Weinfässer hergestellt wurden.
Dort gibt es heute noch ehemalige Weinkeller mit dem altbewährten Tonnengewölbe. In alten Lagerbüchern wird berichtet das von 1718 bis 1720 Kettig mit 584000 Weinstöcken nach Güls an zweiter Stelle im Weinanbau kam.

An der Ecke Bach – Synagogenstaße zeigte Gerhard Elingshäuser die Stelle wo bis 1976 eine Synagoge gestanden hat. Diese wurde in der Reichskristallnacht vom 09 − 10 November 1938 nicht von den Nazis geschändet so wie in vielen Städten und Dörfern in Deutschland.
Dann kommen die Teilnehmer der Führung zum „alten Pfarrhaus unten am Bach“.
Hier stehen noch die Reste des aus dem 14 Jahrh. erstmals erwähnten Pfarrhauses.
Eines der ältesten Häuser stand unweit davon auf der anderen Straßenseite bis kurz vor 1990.
Das „Mannse Häusje“ in der Bachstraße eines der ältesten Häuser im Ort, hatte wegen der damaligen Fenstersteuer nur sehr kleine bzw. zur Straßenseite hin gar keine Fenster. Auch dieses wurde leider kurz vor 1990 abgerissen.

Die neue Schule „Lazarett“ in der Synagogenstraße auf der linken Seite, wurde 1939 gebaut, was aber durch den Kriegsbeginn verzögerte wurde. Im September 1942 war die neue Schule bezugsfertig, doch wurde diese durch die Kriegswirren nie als Schule genutzt, sondern als Luftwaffenlazarett wo die Verwundeten die von den Rizza Schwestern aus Koblenz gepflegt wurden. Seit Kriegsende im Mai 1945 zogen dort französische Besatzungstruppen ein. Später sollte dort ein Krankenhaus reinkommen was aber nie realisiert wurde. 1950 wurde es für Wohnungssuchende Flüchtlinge ausgebaut. Bis ca. 1980 diente es als Wohnhaus für mehrere Familien aus Kettig. Dann wurde es abgerissen.

An der Ecke Bachstraße/Kärlicher Straße steht die „Villa Wald“. Das Herrenhaus wurde 1904 erbaut und seither im Besitz der Familie Wald.
Direkt gegenüber der neue „Godilda Platz“. Herr Elingshäuser erklärt das auf diesem Platz bis 2001 die alte Hofreife, und bis Mitte der 40iger Jahre die jüdische Familie Veith gewohnt hat.
Zum gedenken an die Opfer des Naziregimes und an die jüdischen Mitbürger wurden dort 2012 Stolpersteine und ein Gedenkstein gegen das Vergessen aufgestellt.
In der kleinen Kapelle (Besitz der Familie Wald) auf dem Platz befinden sich alte Grabsteine und Kreuze aber auch Grabplatten mit allen Gefallenen und Vermissten des 2. Weltkrieges darauf. Der Name des Platzes „Godilda“ kommt von der Urkundlichen Ersterwähnung des Ortes wonach die Frau Godilda von Giselbert von Lothringen zum Seelenheil ihres Mannes in einer Schenkungsurkunde Kettig, damals Ketichi, um 915 urkundlich erwähnt. Gegenüber befindert sich eine alte Linde die nach Angaben des Visitationsprotokollbuch der Pfarrei um 1800 gepflanzt worden sein soll zu Ehren von Kaiser Napoleon Die Linksrheinischen Gebiete waren zur damaligen Zeit an Frankreich angegliedert.

In der Breite Straße oder auch 1587 als Reitegasse erwähnt, haben die meisten landwirtschaftlichen Gehöfte gestanden. Eine alte Krautfabrik vom Besitzer Wilhelm Henseler und später eine Gastwirtschaft in der der der Kettiger Gesangsverein 1869 gegründet wurde. Außerdem gab es in dieser Straße das ehemalige Hospital im 15 Jahrhundert, gegenüber in der heutigen Gebäude der Raiffeisenbank eine Gastwirtschaft der Familie Nallin ( Zum roten Ochsen), und die ehemalige Schmiede der Familie Hommer.

Gerhard Elingshäuser führte die Gruppe dann zum neuen Dorfplatz der dieses Jahr feierlich eingewiehen wurde und erzählte mit eindrucksvollen Bildern wie der Kirchenvorplatz früher ausgesehen hat.
Das heutige Bürgerhaus wurde 1895 von Anton Rünz als Gasthaus mit großem Saal erbaut und ist heute nach wie vor nach einer großen Renovierung 2008-2009 die „gute Stube“ der Kettiger Bevölkerung. Weiter erklärt Herr Elingshäuser das unter dem Bürgerhaus um 1850 ein Fränkisches Gräberfeld gefunden wurde, was beweist das Kettig viel älter ist als 1100 Jahre. Hier lebten schon Menschen bevor der Lacher See Vulkan vor ca. 13000 Jahren ausbrach. Auch an anderen Stellen im Ort wurden viele alte Relikte aus der „Vorzeit“ gefunden grade beim Abbau vom Bims.
Diese kann man heute in vielen Museen unter anderem in Monrepo bei Neuwied besichtigen.

Die Kettiger Kirche ist das mit Abstand das älteste Gebäude in Kettig. Der Glockenturm stammt aus dem 8 Jahrhundert und wurde als Wehrturm gebaut. Auf den Grundmauern der heutigen Kirche stand ehemals bis ca 1199 eine Burg. Nach deren Zerstörung wurde das ehemalige Burghaus 1480/81 zur Kirche umgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde dieses Burghaus dann von den Schweden fast völlig zerstört. Erst um 1820 wurden die Reste der ehemaligen Burg abgetragen und später als Bauland veräußert.

Neben der Kirche befindet sich das ehemalige Gemeindebüro und wo 1935 ein Jugendheim und vorher ein Spritzenhaus drin war. Die Andernacher Straße oder auch früher Kirchgasse oder Nette Weg gennant ein Stück hoch, kommt man links in die Neugasse. Die Neugasse oder auch Neuengasse wurde 1552 erstmals urkundlich erwähnt und ist eine Sackgasse. Seit diesem Jahr befindet sich im Anwesen Kohns eine Ferienwohnung „Festung zu Ketghe“ im sehr schön neugestaltetem Ambiente für alle Gäste die in Kettig übernachten möchten. Die Neugasse endet am gemeinen Befestigungsgraben heute das Grabengässchen was die Führungsgäste auch bis zur Schule gingen.

Auf dem Schulhof der heutigen Grundschule konnte Herr Elingshäuser den Interessierten Zuhörern insgesamt gleich 4 alte Schulgebäude teils auf Bildern zeigen. Eines davon von 1821 befand sich an der Straße auf dem heutigen Parkplatz. Es wurde 1962 abgerissen.

Schon 1616 wurde im Visitationsprotokoll eine Schule in Kettig erwähnt. Im Jahre 1807 mussten die Kinder von der „Ansiedlung am Weißen Thurm“ laut Erlass von Napoleon in Kettig zur Schule gehen wo heute die Feuerwehr sich befindet. 1905 wurde dann wegen steigender Zahlen von Kindern gegenüber eine „neue“ Schule gebaut wo sich heute ein Gymnastikraum befindet. Am ehemaligen Pfarrhaus in der Schulstraße beendet Herr Elingshäuser eine sehr interessante und informative Ortsführung und bedankte sich zusammen mit dem Vorsitzenden der Naturfreunde Kettig Oliver Hartmann, bei allen Teilnehmern, der dem Ortschronisten zum Dank ein Präsent überreichte.